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Tomke schreckte hoch. Hatte er eine Tür ins Schloss fallen hören? Verschlafen richtete er sich in seinem Bett auf und sah sich im Kinderzimmer um. Sein Blick blieb am Fenster hängen. Da, er traute seinen Augen kaum. Vor der Scheibe tänzelten weiße Schneeflöckchen. Schnell eilte er zum Fenster. Dicke weiße Pusteln fielen vom tiefschwarzen Himmel herab und glänzten silbern im Mondlicht. „Arthur“, rief Tomke überglücklich. “Es schneit. Wach auf, es schneit!“ Er stürzte an das Bett seines kleinen Bruders, zog die Decke zur Seite, und verstummte. Arthur war nicht da.

Weit oben auf dem Dach des Kaufhauses stand Arthur und blickte auf die weiße Stadt hinunter. Seine braunen Augen funkelten. Er hatte es wirklich geschafft – es schneite! Als er von dem Plan hörte, hatte der Weihnachtsmann sofort sein Handy gezückt und den Kaufhausweihnachtsmann, der die Nachtschicht für seinen kranken Kollegen übernehmen musste, angefunkt. Der wiederum hatte sofort den Hintereingang geöffnet und sie und die Wichtel mit dem Lastenaufzug bis nach Oben in den 13. Stock gebracht. Dort befand sich die Eisbahn. Die Wichtel hatten die Schneekanone mit großem Kraftaufwand zur Balustrade geschoben und gestartet: In einem riesigen Schwall war der Kunstschnee auf den Weihnachtsmarkt hinunter gerieselt, hatte sich auf die Köpfe der Besucher und Kinder, auf die Buden und Fahrgestelle gelegt, und ein Wind, der urplötzlich aufkam, hatte ihn in die Weite getragen.

 Arthurs grüner Umhang wehte im Wind. Stolz presst er die Brust hervor. Wie er da so stand, fühlte er sich wirklich wie ein Superheld. Super Arthur hatte das Weihnachtsfest gerettet. Der Weihnachtsmann hub dem Kleinen lachend auf die Schulter. „Dort, wo ich herkomme, ist es im Winter kalt und eisig. Das ist das beste Geschenk, das wir jemals machen konnten!“ Die Wichtelmänner wackelten mit ihren roten Mützen und grinsten einstimmig. Nur dem Kaufhausweihnachtsmann war die Sache plötzlich gar nicht mehr so recht. So sehr er den Schnee mochte, er schüttelte den Kopf. „Jetzt kommen ganz sicher noch mehr Kinder. Sie wollen im Schnee Schlittschuh fahren und quengeln und kreischen im Kaufhaus,“ murmelte er in seinen langen Bart, nahm die Mütze vom Kopf und wandte sich Arthur zu: „Weißt Du, ich mag Kinder, wirklich. Aber nicht zu Weihnachten. Nichts kann man ihnen recht machen. Wenn sie auf meinem Schoß sitzen, und mir ihre Wünsche in mein Ohr flüstern, dann höre ich ihnen wirklich sehr gerne zu. Aber sie fordern. Jedes Jahr wollen sie mehr. Gleichzeitig lästern sie über meinen Anzug und lachen. Seitdem Vaclav krank ist, kümmere ich mich auch noch um die Süßigkeiten-Etage. Mit ihren kleinen Fingern wühlen die Kinder in den Schokolinsen herum und knistern mit der Plastikfolie.“ Während der Kaufhausweihnachtsmann erschöpft über seinen Job klagte, hatten sich Arthurs Augen immer mehr geweitet. Er liebte Schokolinsen über alles und allein beim Gedanken an Plastikfolie wurde ihm schwindelig-schön. Doch derart hatte Arthur die Angelegenheit noch nicht betrachtet. In seinen Gedanken war Weihnachten vor allem ein Fest für Kinder – und so verstand es sich von allein, dass alles gemacht werden musste, um die Wünsche der Kinder wahr werden zu lassen. Das Gesicht des Kaufhausweihnachtsmannes verzog sich, als habe er unerträglich Schmerzen: „Ich hasse Kinder!“

 Behutsam legte Arthur seine Hand auf die des Kaufhausweihnachtsmannes. Ein wonniges Gefühl breitete sich in dem Alten aus. „Aber nicht alle Kinder sind so! Mein Bruder Tomke zum Beispiel, den solltest Du mal kennenlernen,“ sprudelte es aus Arthur heraus. „Dem ist immer alles egal,“ maulte er mit verstellter Stimme. „Der hat „Null Bock auf Weihnachten“ und der kann auch echt gut „ohne den ganzen Scheiß“ leben.“ Der Kaufhausweihnachtsmann schniefte. Arthur holte tief Luft: „Sei unbesorgt. Ich werde Dir mit den Kindern helfen. Wir alle werden Dir helfen!“ mit dem Kopf deutete er in Richtung der Wichtelmänner. Wie er Arthur so vor sich stehen sah, rührte es das Herz des Kaufhausweihnachtsmannes. Ein Lächeln breitete sich über seinem Gesicht aus. Im Nu waren die Tränen verschwunden.

„Na, dann komm!“ flüsterte der Kaufhausweihnachtsmann zu Arthur: „Es gibt viel zu tun!“

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